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SZ am 26. 9. 02
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Süddeutsche Zeitung, Landkreisausgabe Nord vom 26.2.2002 Konzert des „Ensemble Haar“ im Bürgersaal
Von der barocken Polyphonie zum Tongemälde
Die Mitglieder des Streichorchesters zeigen, dass sie Amateure mit professionellen Qualitäten sind
Haar - Amateure mögen sie vielleicht sein, Liebhaber dessen also, was sie nebenbei und in der Freizeit so betreiben. Aber Laien, das sind die Musiker des „Ensemble Haar“ eindeutig nicht. Dazu sind sie zu konzentriert, zu präsent, ist ihr Ton zu wendig und zu beherrscht. Laien sind sie nicht, das haben die Mitglieder des Streichorchesters am vergangenen Sonntag im Bürgersaal Haar wieder einmal bewiesen.
Klare Harmonien
Schon in Johann Christoph Friedrich Bachs Sinfonie d-moll, die den Anfang des Programms bildete, lässt sich die Qualität des Orchesters begreifen. Man merkt dem dramatischen Allegro des Kopfsatzes an, dass der älteste Sohn aus Bachs zweiter Ehe mit der Musik des Vaters nicht mehr allzu viel anfangen konnte. Die Frühklassik spricht aus jeder Note, das polyphone Stimmendickicht macht Platz für klare Harmonien. Geradlinig also das Allegro, voller Spannung der zweite Satz – ein zart dahingetupftes „Andante amoroso“, eine liebhaberische Geschichte mit klar gesetztem, schwärmerischem Thema. Wo der Sohn ist, darf der Vater nicht fehlen: Vom barocken Musikwunder hatten sich die Haarer das Violinendoppelkonzert in d-moll und das dritte Brandenburgische Konzert draufgeschafft. Beide sind so bekannt wie schwer, bei letzterem gar müssen sich alle Musiker als Virtuosen beweisen. Kraftvoll, ein wenig derb sogar waren die beiden Allegros des Konzertes ausgelegt. Dreizehn Streicher, je drei Violinen, Bratschen, Celli und ein Bass, die einen sehr ausgewogenen und beeindruckend organischen Gesamtklang erzeugten. Selbst die (sehr spärlich gestreuten) Unsauberkeiten schienen wie aus einem Guss: Soviel Harmonie ist selten. Beim Doppelkonzert musste das Orchester dann gänzlich mit sich selbst zurecht kommen, denn sowohl sein Dirigent Winfried Grabe als auch der erste Geiger Christof Sowieja waren mit dem Solopart beschäftigt. Dass ein Amateurorchester seinen Solisten aus den eigenen Reihen rekrutieren kann, das ist selten. Sowieja jedoch spielt nicht nur in Haar die erste Geige, sondern auch in dem in der Region inzwischen ziemlich bekannten Dimi-Trio. Virtuos, wenn’s sein muss, introvertiert an den richtigen Stellen: Die beiden Solisten ergänzen sich bestens. So bekannt die beiden Werke aus der Bach’schen Feder waren, so unbekannt und selten gespielt sind die zwei modernen Werke des Konzertes: Alexander Glasunows Variationen über ein russisches Volkslied sind bis in die Wolle spätromantisch gefärbt und sehr schön anzuhören. Die wahre Entdeckung aber war das Konzert für Streichorchester von Nino Rota. Aus seiner Feder stammt unter anderem die Musik zum Film „Der Pate“, und dass er sein Brot mit dem Schreiben von Filmmusiken verdiente, das merkt man seinem „Concerto per archi“ an. Es stört aber nicht, ganz im Gegenteil. Die Walzer des zweiten Satzes pendeln zwischen Liebreiz und Heimtücke, sind äußerst melodisch, stecken aber voller Taktwechsel.
Winfried Grabe hat seine Musiker jederzeit im Griff. Der dritte Satz, ein arioses Andante, steckt voller Ausdruck, ist aber auch der schwierigste Part des Stücks. Nur manchmal bricht der Spannungsbogen ab. Im Finale, einem geschwinden, sehr dramatischen Tongemälde ist dann der Unterschied zwischen den Amateuren aus Haar und so manchem professionellen Orchester endgültig verwischt. Laien sind das nicht.
JOCHEN EICHNER
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SZ am 3. 1. 03 / SZ am 13. 7. 00
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